Gut so: Mehr Geld für die Forschung

Jeder lebt in seiner eigenen Welt – aber meine ist die Richtige. Das singen nicht nur die Lassie-Singers auf einer leider längst vergriffenen CD. Auch ich will nicht bestreiten, manchmal eine sehr spezielle Sicht der Dinge zu haben. So sind zum Beispiel in meiner Welt die Forscher und Wissenschaftler, die Ärzte und die Ingenieure die Guten. Die Bösen dagegen sind die Banker, die Juristen und natürlich die Politiker – von der einen oder anderen Ausnahme ´mal abgesehen 😉

So gesehen ist es sehr erfreulich, dass in Deutschland immer mehr Geld für die Forschung ausgegeben wird, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) berichtet. Demnach gaben alleine die außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland im Jahr 2008  9,3 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus. Das waren 9,4% mehr als im Jahr 2007.

Ein Teil der Ausgabensteigerung sei auf „Sondereffekte bei der Max-Planck-Gesellschaft zurückzuführen, deren Haushalt zur Steuerkompensation aufgrund der Neubeurteilung der Unternehmereigenschaft durch die Finanzbehörden erhöht worden war“, heißt es in einer Presemitteilung und was dies nun genau zu bedeuten hat ist mir ziemlich schleierhaft.

Jedenfall betrug die Steigerung auch ohne die Einrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft  7,4 Prozent, und das ist ein gutes Zeichen. Noch besser finde ich, dass gut drei Viertel (75,9%) der Ausgaben für außeruniversitäre Forschung allein auf die Bereiche Naturwissenschaften (4,6 Milliarden Euro) und Ingenieurwissenschaften (2,5 Milliarden Euro) entfielen. Mit 1,2 Milliarden Euro haben die Geistes- und Sozialwissenschaften, meines Erachtens genug abgekriegt, schließlich sind Bleistifte billiger als Teilchenbeschleuniger und DNA-Sequenzer. Ziemlich knickrig scheint der Staat aber bei der Human­medizin mit schlappen 0,6 Milliarden Euro (6,5%) gegenüber 0,5 Milliarden Euro (5,2%) für die agrarwissenschaft­liche Forschung. Ist die Gesundheit nicht des Menschen höchstes Gut? Und sollten wir uns das nicht etwas mehr kosten lassen als – sagen wir Subventionen für betrügerischere Mitgliedsländer der Euro-Zone?

Aber ich will ja nicht polemisieren, sondern nur weitergeben, was ich vom Statistischen Bundesamt gelernt habe. Demnach entfielen im Jahr 2008 mit 7,1 Milliarden Euro gut drei Viertel (75,6%) der gesamten außeruniversitären Forschungsausgaben auf die gemeinsam von Bund und Ländern geförderten privaten Forschungseinrichtungen. Im Einzelnen waren dies die Helmholtz-Zentren mit 3,0 Milliarden Euro, die Institute der Max-Planck-Gesellschaft mit 1,6 Milliarden Euro, die Institute der Fraunhofer-Gesellschaft mit 1,4 Milliarden Euro und die Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft mit Ausgaben von 1,0 Milliarden Euro. Auf die Akademien der Wissenschaften entfielen 100 Millionen Euro.

Schaut man auf die Gesamtbilanz, so entfiel nicht einmal ein Drittel der gesamten Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Deutschland im Jahr 2008 auf die außeruniversitären Forschungseinrichtungen und die Hochschulen. Nahezu 70% der gesamten Forschungstätigkeiten fanden dagegen in Unternehmen statt. Insgesamt wurden 2008 nach vorläufigen Berechnungen 66,1 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aufgewendet. Dies entspricht einem Anteil von 2,6% am Bruttoinlandsprodukt. Das ist zwar nicht wenig. Allerdings sind alleine die Staatsschulden im Vorjahr um satte 116 Milliarden Euro auf nunmehr 1762 Milliarden Euro gewachsen. 45 Milliarden davon haben übrigens die Stützungsaktionen für die „notleidenden Banken“ gekostet. Wo unser Steuergeld besser angelegt wurde, mag jeder selbst beurteilen.

MSimm
Journalist für Medizin & Wissenschaft

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