Blutdruck senken ohne Pillen

„Sie können mir glauben, daß wir von unseren eigenen Ergebnissen überrascht waren”, bekannte Deborah Young. Ursprünglich hatte die Professorin an der Johns Hopkins University School of Medicine im amerikanischen Baltimore nur prüfen wollen, ob leichte gymnastische Übungen den Blutdruck bei älteren Menschen senken können. Doch beim Vergleich der chinesischen Entspannungstechnik Tai Chi mit einem Fitness-Programm mittlerer Intensität erwiesen sich beide Methoden als gleichermaßen wirksam.

Wie Young vergangene Woche auf einer Fachkonferenz in Santa Fe berichtete, hatten 62 größtenteils weiblich Senioren über 60 Jahren an der Untersuchung teilgenommen. Mit Werten zwischen 130 und 159 Millimeter Quecksilber (mmHg) für den systolischen (oberen) Blutdruck lagen die Versuchsteilnehmer anfänglich knapp unterhalb des kritischen Bereiches. Während nun die eine Hälfte der Senioren ein zwölfwöchiges Bewegungsprogramm mit strammen Spaziergängen und leichten Aerobic-Übungen absolvierte, lernte die zweite Gruppe Tai Chi: Ausgehend von mehreren, festgeschriebenen Grundpositionen werden bei diesem chinesischen „Volkssport“ fließende, rhythmische Bewegungen ausgeführt, die zu verschiedenen Abbildern führen wie etwa „der Storch zeigt seine Flügel”.

Schon nach sechs Wochen verzeichneten die Ärzte in beiden Gruppen eine Blutdrucksenkung. Nach zwölf Wochen waren die Werte in der Tai Chi-Gruppe um durchschnittlich sieben mmHg verringert, in der Fitness-Gruppe waren es acht mmHg.

„Es könnte sein, daß es bei älteren Menschen genügt, einfach aufzustehen und einige langsame Bewegungen auszuführen, um den Blutdruck zu senken”, folgerte Young. Gleichzeitig warnte die Ärztin jedoch davor, die Wanderschuhe an den Nagel zu hängen und durch Tai Chi zu ersetzen. „Unsere Untersuchung muß erst noch mit einer größeren Anzahl von Menschen bestätigt werden. Der gesundheitliche Nutzen strammer Spaziergänge ist eindeutig nachgewiesen; für Tai Chi fehlt es uns noch an Daten.”

Fast zeitgleich mit Young haben US-Forscher die Ergebnisse der sogenannten TONE-Studie vorgestellt, die ebenfalls belegt, daß eine Blutdrucksenkung bei leicht erhöhten Werten in vielen Fällen ohne Medikamente möglich ist. Im Journal of the American Medical Association berichten Studienleiter Paul Whelton, Dekan der Tulane University School of Public Health and Tropical Medicine in New Orleans und dessen Kollegen, daß ein „verringerter (Natrium)-Salzkonsum und Gewichtsreduktion eine mögliche, effektive und sichere Therapie des Bluthochdrucks bei älteren Personen ist.”

Mit 30 Monaten Dauer und 975 Teilnehmern zwischen 60 und 80 Jahren ist die von den US-Gesundheitsinstituten (NIH)  finanzierte TONE-Studie die bislang größte ihrer Art. Obwohl die Studienteilnehmer nur leicht erhöhte Blutdruckwerte hatten, erhielten anfänglich alle auf anraten ihrer Ärzte Medikamente. Eine viermonatige Schulung durch Ernährungs- und Bewegungsberater half den Probanden beim Abnehmen und bei der Umstellung der Ernährung auf salzarme Kost. Immerhin jeder dritte Teilnehmer konnte zum Studienende auf Arzneimittel verzichten. „Das zeigt, daß Verhaltensänderungen bei der Behandlung des Bluthochdrucks eine wichtige Rolle spielen”, kommentierte Richard Hodes, Direktor des amerikanischen Altersinstituts NIA (National Institute on Aging).

Quellen:

MSimm
Journalist für Medizin & Wissenschaft

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