Neue Studie: Flohsamen wirksam beim Reizdarmsyndrom

„Bewährte Hausmittel“  und „hilfreiche Nahrungszusätze“ gibt es zuhauf in den Regalen von Refomhäusern und Apotheken. Sucht man jedoch nach handfesten Beweisen für die Wirksamkeit der meist pflanzlichen Hoffnungsträger, so schrumpft die Auswahl dramatisch. Eine der wenigen Ausnahmen scheint Flohsamen zu sein, wie Forscher der Universität Utrecht jetzt in der Fachzeitschrift British Medical Journal berichten. Sie untersuchten 275 Patienten mit Reizdarmsyndrom, die zwei Mal täglich jeweils entweder 10 Gramm Kleie, Reismehl oder Flohsamen (auch als Psyllium bekannt) zu sich nahmen.

Als Reizdarmsyndrom (manchmal auch „nervöser Darm“, „Reizkolon“ oder „irritables Darmsyndrom“ (IDS) genannt) bezeichnet man eine Gruppe von Darmerkrankungen mit weitgehend unklarer Ursache, an der bis zu zehn Prozent der Bevölkerung leiden. Typische Zeichen sind Schmerzen oder Unwohlsein im Bauchraum und ein veränderter Stuhlgang, oft auch eine erhöhte Druckempfindlichkeit des Darms (Näheres lesen Sie am besten in diesem Wikipedia-Artikel).

Die meisten Hausärzte empfehlen ihren Patienten zunächst, die Ernährung zu ändern, und sie raten zu Kleie-Produkten weil diese einen hohen Anteil unlöslicher Pflanzenfasern enthalten, die als „Ballaststoffe“ den Darm anregen sollen. In ihrer Studie wollten die Niederländer nun heraus finden, wie wirksam unlösliche Pflanzenfasern beim Reizdarmsyndron wirklich sind, und ob nicht die im Flohsamen reichlich enthaltenen löslichen Pflanzenfasern die bessere Alternative sind. Als mutmaßlich wirkungslose Kontrolle erhielt ein Teil der Patienten Reismehl, in dem fast keine intakten Pflanzenfasern mehr enthalten sind.

Nach 12 Wochen hatten sich die Beschwerden mit Flohsamen um 90 Prozent verringert, mit der Kleie um 58 Prozent und mit dem Reismehl immerhin noch um 49 Prozent. Angesichts dieser Zahlen muss allerdings auch bedacht werden, dass oftmals die für den Reizdarm typischen Beschwerden von selbst verschwinden, wenn Hektik, Stress und andere Belastungen nachlassen. Auch die 58 Prozent Verbesserung mit Kleie klingen zunächst beeindruckend, doch wurde dieser „Ballaststoff“ seinem Namen in zweifacher Hinsicht gerecht: Viele Studienteilnehmer vertrugen die Kleie nicht und ihre Beschwerden verschlechterten sich sogar. Nur 56 Prozent der „Kleie-Esser“ blieben bis zum Ende der dreimonatigen Versuchszeit dabei. Mit Reismehl waren es 60 Prozent und mit Flohsamen hielten 64 Prozent durch.

Lösliche Pflanzenfasern sind demnach beim Reizdarmsyndrom wirksamer als unlösliche. Zwar sind lösliche Pflanzenfasern auch in Obst wie zum Beispiel Äpfeln und Erdbeeren enthalten, sowie in Gerste und Hafer. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass Menschen mit Reizdarmsyndrom mit diesen Nahrungsmitteln genug lösliche Pflanzenfasern aufnehmen, sagte einer der beteiligten Forscher, Dr. Niek de Wit. „Ich denke, am Anfang ist die beste Behandlung der Zusatz von Flohsamen zur Nahrung“, sagte der Mediziner.

Quelle:

MSimm
Journalist für Medizin & Wissenschaft

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