Katze dressiert Frauchen

Katzenfreunde wissen, dass diese Haustiere kaum zu dressieren sind. Dass die Miezen statt dessen ihre Besitzer geschickt manipulieren, mag manch einer geahnt haben. Erst jetzt aber sind Wissenschaftler der Universität von Sussex im englischen Brighton den cleveren Vierbeinern durch die Auswertung von Tonaufnahmen auf die Schliche gekommen. Katzen lernen nämlich erstaunlich schnell, so zu miauen, dass Menschen diese Rufe als besonders dringlich empfinden, berichten die Psychologin Karen McComb und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift Current Biology.

Für Viele unwiderstehlich: Das Schnurren einer Katze (Foto: Fabian Bolliger)
Für Viele unwiderstehlich: Das Schnurren einer Katze (Foto: Fabian Bolliger)

Wenn sie Futter wollen, mischen die listigen Vierbeiner demnach gekonnt zwei Signale: Ein dringlicher Schrei wird eingebettet in angenehmes Schnurren – und das Ergebnis ist für die meisten Menschen kaum zu ignorieren.  „Dies ist eine sehr subtile Art, jemanden zum Handeln zu bewegen“, kommentierte McComb. „Solch ein bettelndes Schnurren finden Menschen wahrscheinlich eher akzeptabel als ein unverstelltes Miauen, wodurch die Katzen wahrscheinlich sofort aus dem Schlafzimmer geschmissen würden.“ Die Forscherin vermutet, dass diese Art der Katzensprache ein unterschwelliges Signal sendet, das eine angeborene Empfänglichkeit des Menschen für Geräusche ausnutzt, die mit der Ernährung des Nachwuchses zusammen hängen.

Zu der Untersuchung sei sie durch ihre eigene Katze inspiriert worden, von der sie jeden Morgen durch ein sehr beharrliches Schnurren geweckt werde, sagte McComb. Dann habe sie im Gespräch mit anderen Katzenbesitzern erfahren, dass deren Tiere den gleichen Trick beherrschen. Weil McComb am Center for Mammal Vocal Communication Research bereits seit vielen Jahren die Laut-Verständigung von Elephanten, Löwen und anderen Säugetieren untersucht, beschloss sie, auch dem Phänomen des unwiderstehlichen Katzenschnurrens auf den Grund zu gehen.

Durch eine Reihe von Tonbandaufnahmen, die in ihre Einzelteile zerlegt und anlaysiert wurden, konnten die Forscher das entscheidende Element isolieren. Ein ungewöhnliches, hochfrequentes Geräusch ähnlich einem Schrei oder Miauen vermittelt demnach die nötige Dringlichkeit, wird aber trotzdem von Menschen als angenehm empfunden (-> Tonaufnahmen). Als das Team die Aufnahmen manipulierte und ohne dieses spezifische Element neu abmischte, empfanden Testhörer den Katzenschrei als weitaus weniger dringend.

McComb glaubt, dass dieser spezielle Ruf zwar auch im normalen Schnurren der Tiere enthalten ist, „wir denken aber, dass Katzen lernen, dieses Element enorm zu übertreiben, wenn es sich als wirksam erweist, um Menschen zum Handeln zu bewegen“.

Quelle:

  • Charlton et al. The cry embedded within the purr. Current Biology 9 vom 14 Juli 2009.
MSimm
Journalist für Medizin & Wissenschaft

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